Gesammelte Erfahrungen im Formationslaufen

Rollkunstlauf Formationslaufen

Für das Dream Team und alle, die vom Formationslaufen so fasziniert sind wie ich.

Ich habe mal nachgezählt: fast 17 Jahre war ich jetzt im Dream Team als Formationsläuferin aktiv. Wenn man die Zeit im Eiskunstlauf davor dazuzählt sogar fast 20 Jahre. Ich durfte dadurch viel erleben, besonders auch Höhen und Tiefen, aber nun werde ich mich in meine Formationsrente verabschieden.

Letztendlich haben es jetzt meine Knie entschieden – ich möchte sie einfach gerne noch in vielen Jahren benutzen können. Schon vor und bei der WM in Kolumbien haben mir meine Knie Probleme bereitet und dann nur noch mit Schmerztabletten funktioniert. Als der Orthopäde danach auf die Aufnahme vom MRT sah und mich fragte, ob ich denn schon 74 sei, war die Entscheidung eigentlich schon gefallen.

Erfahrungen sammeln im Formationslaufen

Ich liebe das Rollkunstlaufen in jeder Form, aber für mich persönlich hat mir das Formationslaufen so viel gegeben, dass ich gerade jetzt nach der WM viel darüber nachgedacht habe, was eigentlich in meinen 16 aktiven Formationsjahren so alles passiert ist, was ich im Formationslaufen als Läufer, Trainer und Mensch gelernt habe und welche Erfahurngen ich machen durfte. Ich habe mal eine kleine Liste erstellt:

  • Ich habe gelernt im Team zu arbeiten. Auf andere zu achten, meine Meinung zu sagen, aber manchmal auch mit den eigenen Ansichten zurückzustecken, da die Mehrheit es anders gesehen hat. Besonders das, ist mir immer sehr schwer gefallen.
  • Ich habe gelernt, mir nichts daraus zu machen, wenn mir jemand sagt, dass ich etwas nicht kann oder es nie lernen werde. Dafür bin ich anscheinend doch noch eine ganz gute Formationsläuferin und Trainerin geworden… Manchmal blicke ich nach oben zum Himmel und denke „Siehste!“. Und ich weiß, da grinst jemand zurück.
  • Ich habe gelernt zu verlieren und zu gewinnen. Und, dass sich die Welt so oder so danach immer weiterdreht.
  • Bei den 12 Weltmeisterschaften und 15 Europameisterschaften, bei denen ich dabei war, durfte ich viele Länder und Städte kennen lernen. Auch wenn wir meist nicht viel Zeit dort verbringen konnten, habe ich schon einiges gesehen und besondere und interessante Erfahrungen auf immerhin fünf Kontinenten sammeln dürfen.
  • Ohne das Formationslaufen hätte ich Rollkunstlaufen, in seinen vielen Facetten, wahrscheinlich nie kennengelernt. Ich werde nie vergessen, wie ich auf meiner ersten WM einen Luca D’Alisera oder einen Luca Lallai bestaunen durfte. Aber dazu gehört für mich auch noch viel mehr als beeindruckende Leistungsläufer. Es sind die vielen Seiten, die das Rollkunstlaufen bietet und die in jedem Land so unterschiedliche Ausprägungen haben. Einer der schönste Momente für mich persönlich: Als in Buenos Aires bei der Eröffnungsfeier der WM ein Gruppe von Menschen mit Down-Syndrom vor den 6000 Zuschauern aufgetreten sind und man ihnen die Freude am Rollkunstlaufen schon vom Weitem ansah.
  • Ich habe gelernt auf andere zu achten und jeden Sportler so zu akzeptieren wie er ist, aber nicht alles hinnehmen zu müssen. In einer Mannschaft mit über 20 Läufern kommen in 17 Jahren so einige Charakterköpfe zusammen…
  • Teamgeist. Besonders in den letzten Jahren hat sich ein Teamgeist entwickelt, der im Rollkunstlaufen, das ja nun eigentlich eine Einzelsportart ist, wohl eine Weile gebraucht hat.
  • Und dazu kommt noch: Autofahren (auf dem Weg zum Training habe ich einige Kilometer zurückgelegt) und Zeitmanagement. 😉
  • Und Freunde habe ich natürlich auch gefunden, teilweise Freunde die mich jetzt auch schon seit 17 Jahren begleiten. Ich finde es toll wie gerade durch das Dream Team Verbindungen in Niedersachsen entstanden sind, die es so vermutlich sonst nicht gegeben hätte.

Von Anfang an…

Für mich gab es drei Phasen im Formationslaufen: Ich habe erlebt, wie alles anfing, wie die ersten Formationen entstanden und wie die erste EM und WM stattfand. Dann hatte ich das Glück eine Runde auf der Formationswelle mitschwimmen zu dürfen, vier WM-Titel mit dem Dream Team zu erreichen und an Weltmeisterschaften teilzunehmen, an denen tatsächlich 16 Teams aus der ganzen Welt dabei waren.
Nach meiner Formationspause von 2007 bis kurz vor der WM 2011 habe ich dann ein ganz neues Szenario im Dream Team erlebt und dafür möchte ich dem heutigen Dream Team mit allen die dazugehören ein ganz großes Dankeschön aussprechen!

Danke an das Dream Team!

Ein Dream Team zusammenzuhalten ist keine leichte Aufgabe, denn Formationslaufen nebenbei zu betreiben und einen internationalen Anspruch zu haben, ist inzwischen eine wirklich schwierige Aufgabe geworden und neben allem anderen – Familie, Beruf, Verein – kaum zu schaffen. Und so frustrierend wie für mich persönlich die Wertungsnoten in den letzten Jahren auch oftmals waren, so aufbauend und motivierend war dafür der Teamgeist in der Mannschaft.
Besonders die letzte Saison war eine Saison mit allen Facetten wie ich sie noch nie erlebt habe. Absolut niemand von uns hat mit so einer EM und dem Titel gerechnet – auch wenn immer eine kleine Hoffnung dabei war. Morgens sagte ich noch in Anbetracht des tiefblauen Fleckes vom Training auf meinem Oberarm, dass ich mir den zur Erinnerung auf den Arm tätowieren werde, wenn wir Europameister werden… ich habe es zum Glück sicherheitshalber zurückgenommen und inzwischen ist er verschwunden.

Und niemand von uns konnte das, was danach kam, so alles einfach wegstecken. WM oder nicht WM. Kolumbien oder eben nicht Kolumbien. Es gab noch gar keine Entscheidung und dennoch wurden schon Spenden gesammelt. Die plötzliche Unterstützung vom Verband, über die wir uns sehr freuten – das ganze Hin und Her zerrte für mein Empfinden doch ein wenig an allen Nerven. Und als dann endlich die Entscheidung stand, wurde es nicht viel leichter, denn plötzlich standen Erwartungen im Raum.

Weltmeisterschaft in Kolumbien

Die WM in Kolumbien war eine einmalige Erfahrung und ich bin sehr dankbar, dass ich das nochmal so miterleben durfte. Sonst wäre ich vermutlich auch nie mit Polizeischutz vom Flughafen abgeholt worden… Cali ist eine tolle Stadt und Kolumbien ein wunderschönes Land. Aber diese WM war auch in der Art wie sie von unseren Trainern geplant und begleitet wurde eine neue Erfahrung. Wir waren ein tolles Team und wir haben alles gegeben, was uns möglich war.
Vielen Dank dafür an das ganze Dream Team! Ich wünsche euch, dass ihr das im Kopf und in euren Herzen behaltet. Denn…

Skatement Skatements

In Anbetracht der Entwicklung des Formationslaufens wünsche ich mir, dass sich was verändert. Bewertungen, die niemand mehr nachvollziehen kann, sind demotivierend und vermindern den Wert von Platzierungen. Und das was wir brauchen, sind neben klaren Regeln, nach denen auch bewertet wird, einfach mehr Teams und dafür brauchen wir vermutlich mehr Läufer, die sich für diese Disziplin entscheiden. Also brauchen wir mehr Rollkunstläufer, mehr Rollkunstläufer die auch im Sport durch die Pubertät kommen und letztendlich mehr Werbung für unseren Sport.
Und die Teams, die es gibt, sollten beginnen besser zusammenzuarbeiten und Wissen auszutauschen – denn nur so kann sich die Disziplin weiterentwickeln und wieder konkurrenzfähig sein. Im Moment geht es doch gar nicht darum, Plätze und Titel zu ergattern, eigentlich geht es gerade um den Fortbestand und die Entwicklung des Formationslaufens.

Formationsläufer in Niedersachsen gesucht!

Und an dieser Stelle füge ich mal Werbung ein: Das Dream Team sucht neue Läufer! Interessierte können sich auf der Webseite schlau machen und gerne Kontakt aufnehmen.

So und damit verabschiede ich mich jetzt in meine wohlverdiente Formationsrente aus der Aktivenzeit – wobei ich einfach niemals ausschließen kann, vielleicht irgendwann doch mal wieder einen kleinen 0€-Job im Dream Team anzunehmen. Dazu ist das Formationslaufen einfach zu schön… und so ganz werdet ihr mich nicht los.

Kategorieinsights

Ich habe mit 11 Jahren erst recht spät mit dem Rollkunstlaufen begonnen, aber seitdem lässt mich der Sport nicht mehr los. Da ich Sportmanagement studiert habe, verbinde ich hier mein Studium mit meiner Lieblingsportart.

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