4 Rollen – 4 Fragen an Isabella Barbarito

4 Rollen – 4 Fragen an Isabella Barbarito

Du hast die Rollkunstlaufabteilung des TBV Jahn Alverdissen selbst gegründet. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Die Idee muss ich ehrlich sagen kam vorerst nicht von mir und zwar: Ich komme aus einem kleinen Dorf mit 1400 Einwohnern.Dort kennt jeder jeden. Jeder wusste das ich Rollkunstläuferin bin, nur noch kannte keiner meine Exotensportart. Durch meine sportlichen Erfolge und Präsenz in den Zeitungen, sprach der ortsansässige Verein, sowie unser Bürgermeister mich immer wieder an, dass es doch auch unbedingt in Alverdissen Rollkunstlaufen geben müsste. Ich muss sagen die Idee war wirklich gut, und ich konnte mir das auch sehr gut vorstellen. Und endlich kann ich etwas dafür tun, dass Rollkunstlaufen zu einem Begriff wird. Allerdings war ich zu der Zeit noch selbst sportlich sehr aktiv und noch zu jung.
Als ich dann 18 Jahre alt wurde, wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Zur Verfügung wurden mir einmal die Woche 45 Minuten gestellt. Zuerst gab es einen Informationsnachmittag, wo ich über das Rollkunstlaufen erzählte und danach folgte die erste Trainingseinheit. Aber schon in der ersten Trainingseinheit holte mich die Realität ein. Rollkunstlaufen kannte hier wie gesagt niemand, denn statt mit schönen Trainingskleidern, Rollschuhröckchen und Strumpfhosen, die diese grazile Sportart unterstreichen, kamen alle Kindern mit Knieschonern, Handschoner und Helmen auf den Kopf… hier war erst mal Basisarbeit zu leisten. Das Ziel klar vor Augen: Rollkunstlaufen muss ein Begriff in Lippe werden, aber der Weg dahin schien doch länger als gedacht.

Vier Fragen an Isabella Barbarito TBV Jahn Alverdissen Rollkunstlauf Vier Fragen an Isabella Barbarito TBV Jahn Alverdissen Rollkunstlauf

Wie ging das ganze dann von statten?

Da ich von Anfang an die Unterstützung vom Hauptverein dem TBV Jahn Alverdissen bekam, musste ich mich nicht mit den Schritten einer Vereinsgründung auseinander setzen. Auch um eine Hallenzeit musste ich mich vorerst nicht kümmern (Bürgermeister und TBV stand hinter mir), da ich netterweise gleich eine Trainingszeit von 45 Minuten zur Verfügung gestellt bekam. Das heißt diese beiden wichtigen Punkte liefen schon einmal rund.
Um den Kindern Rollschuhe zur Verfügung stellen zu können, stellte mir mein damaliger Verein
der RESC Hameln Leihrollschuhe bereit. Auch der befreundete Verein der VfL Wolfsburg half mir bei Engpässen mit Schuhen aus. Als absehbar war, dass Kinder beim Rollschuhlaufen bleiben möchten, und der TBV eine eigene Grundausstattung benötigt, recherchierte meine Mutter wo man günstig an Rollschuhe dran kommen kann. Und schnell war die Lösung da, zwei ehemalige Rollkunstlaufvereine hatten sich aufgelöst und waren froh über Bestand der abgenommen werden konnte – ­ein Glücksgriff für uns!

Vier Fragen an Isabella Barbarito Cora Bögeholz

Welche Tipps würdest du als Gründerin und Trainerin jemandem geben, der jetzt überlegt einen Rollkunstlauf­verein oder eine -abteilung zu gründen?

Also ich würde definitiv jeden dazu ermutigen das zu machen! Ich habe bis heute nicht einmal die Entscheidung bereut. Ein paar Tipps, die mir bei der Entstehung geholfen haben:

  • kein eigener Verein, sondern als Sparte beginnen

Kein finanzielles Risiko und man hat die Möglichkeit sich langsam einen guten Stamm mit Eltern aufzubauen, ohne vorab Posten wie 1.Vorsitzender, 2.Vorsitzender etc. aufzustellen

  • Rollkunstlauf Märchen

Ich habe mich gleich zu Anfang einen befreundeten Verein angeschlossen der Rollkunstlauf Märchen macht, wir sind als Gastläufer mit eingestiegen ohne etwas dafür zu bekommen.Wir wollten nur Erfahrung sammeln­. So konnten sich die Eltern und Kinder langsam an diesen Ablauf gewöhnen. Danach das Jahr stellten wir mehr Gruppennummern und wurden prozentual an den Einnahmen beteiligt. Danach das Jahr führten wir die erste Vorführung bei uns in den Sporthallen durch­. Die Resonanz war super und die Nachfrage wurde immer größer. Mittlerweile ist das Rollkunstlauf Märchen ein fester Bestandteil, wir haben um die 1500 Zuschauer in Lippe, die sich die Märchen Vorführung bei uns in der Sporthalle anschauen. Eine gute Werbung für den Sport, ein Highlight für alle Kinder – egal ob Leistungs­ oder Breitensport – und es kommt Geld in die Kasse der Sparte und des Vereins.

  • Gute und regelmäßige Marketing und Pressearbeit

Nur so wird man auf den Sport aufmerksam., zieht neue Kinder an und weckt die Aufmerksamkeit von eventuellen Sponsoren oder denjenigen die Entscheidungen im
Sportbetrieb wie Hallenzeiten, Zuschüsse etc. zu vergeben haben. Zu den Märchen
beispielsweise wurden die Presse, Politiker, Firmen, Kreissportbund, Bürgermeister, Landrat
etc. eingeladen, die beste Möglichkeit, dass alle sich selbst ein Bild vom Rollkunstlaufen
machen konnten. Schnell fanden sich Fans unter denjenigen , die uns in den verschieden Funktionen heute noch unterstützen. Ganz wichtig ist auch eine Internetseite, die
immer wieder aktuell gepflegt wird, da sie eine Visitenkarte für den Verein ist, und man
dort bestimmen kann, welche Werbung man nach außen transportieren möchte­. Bei jedem
Zeitungsartikel wird die Adresse mit erwähnt.

Was aber für mich bzw. uns als Trainer wichtig ist: GEDULD!!!!

Ob es nun um den fachlichen Bereich geht oder den zwischen menschlichen als Funktion der
Leitung. Ich habe schnell gemerkt, dass es nicht nur einfach Rollschuhlaufen beibringen ist.
Als ich die ersten Wettbewerbe mit meiner Truppe anfuhr, merkte ich dass meine Mädels noch
nicht konkurrenzfähig waren. Es galt also meine Perspektive einer Läuferin in die einer Trainerin zu ändern. Auf den nächsten Wettbewerben beobachtete ich viel und versuchte zu analysieren was die Konkurrenz besser machte als meine Schützlinge. Ich fragte nach, informierte mich regelmäßig, um zu kompensieren, was noch fehlte. Und nach und nach etablierte sich, aus den noch zu Anfang unerfahrenen Alverdissern, ein richtiger Rollkunstlaufverein mit ersten Erfolgen. Aber das brauchte Zeit!
Als es leistungsmäßig dann voran ging, reichten irgendwann die 45 Minuten natürlich nicht mehr aus. Nun kennt jeder die Problematik mit Hallenzeiten, das heißt ich wurde nicht gerade überhäuft damit. Aber auch das entwickelte sich nach und nach, natürlich nicht ohne Widerstände aber man darf nicht aufgeben und das Ziel vor den Augen verlieren.

Und in meiner Stellung als Trainerin, Hauptverantwortliche, Ansprechpartnerin musste ich auch erst rein wachsen. Denn ich war 18 Jahre alt und musste mich nun gegenüber Eltern behaupten und meine Meinung vertreten, aber auch Stellung bei Niederlagen beziehen. Auch das Handling mit Kindern verschiedenen Alters, das alles war und ist ein Lernprozess, der NIE aufhört. So ist der Sport. Man darf nicht stehen bleiben, man muss sich weiterentwickeln.

Fazit: Ich muss sagen, dass ich von Anfang an ganz tolle Kinder und Eltern hatte, die relativ
schnell meine Leidenschaft zum Rollkunstlaufen teilten. Ohne diesen starken Rückhalt, und ohne die Unterstützung der Eltern und dem Verein hätte ich es nicht geschafft. Aber das was ich bisher erleben konnte, ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Rollkunstlaufen ist so ein schöner Sport und er muss weiter gegeben werden.

Vier Fragen an Isabella Barbarito Cora BögeholzWenn du dir etwas für das Rollkunstlaufen wünschen könntest, was wäre es und warum?

Das ganz viele von den jetzigen Rollkunstläufern den Sport erhalten bleiben. Egal in welcher
Funktion ob als Trainer ,Wertungsrichter etc. – denn nur so wird der Sport lange am Leben gehalten.

Und nur so schaffen wir es Rollkunstlaufen zu einem Begriff überall zu machen!!!

 

Rollkünstler

 

Über Isabella BarbaritoVier Fragen an Isabella Barbarito

Isabella Barbarito hat als 4-jährige mit dem Rollkunstlaufen angefangen. Sie startete im Einzel im Leistungsbereich und war außerdem von 1999 – 2011 Mitglied in der Formation Dream Team. Mit der Formation wurde sie 4 Mal Weltmeisterin und erhielt 2002 das Silberne Lorbeerblatt. Seit 2005 baute sie die Rollkunstlaufabteilung des TBV Jahn Alverdissen auf und ist auch heute noch maßgebende Trainerin in dem Verein.

 

Kategorierollkuenstler im Interview

Ich habe mit 11 Jahren erst recht spät mit dem Rollkunstlaufen begonnen, aber seitdem lässt mich der Sport nicht mehr los. Da ich Sportmanagement studiert habe, verbinde ich hier mein Studium mit meiner Lieblingsportart.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.